Hausmitteilungen
Gestern kam ich zur Madonna am Bildstock und daneben blühte ein herrliche Pflanze mit schneeweißen Blüten und hellgrünen Kelchblättern, die Blätter eher wie Grashalme ("linealisch").
In meinem Bestimmungsbuch werden verschiedene Milchstern-Arten genannt, aber sie sieht eigentlich ziemlich genau so aus wie >>
hier
und >>
hier.
Also ob Dolden- oder nicht, es ist ein Milchstern, eindeutig, volkstümlich "Stern von Bethlehem" genannt - wer diese Pflanze einmal in natura gesehen hat, weiß auch, warum - wie immer kann man das auf den Fotos gar nicht ausmachen, wie prachtvoll die Blüten wirklich sind.
Sobald die Sonne weg ist, schließen sich die Kelche fast vollständig und ie ganze Pracht schläft - wahrscheinlich einen Schönheitsschlaf, bis die Sonne wieder aufgeht.
Am Bildstock bei der Madonna und ein Stück weiter unten eine ganze Ansiedlung unter Eichen und Ulmen im Unterholz (ähnlich wie bei uns die Maiglöckchen wachsen).
Noch ein >>
schöner Link mit etwas aussagekräftigeren Bildern.
ElsaLaska - 6. Apr, 21:12
heute identifiziert - wächst an einer Böschung an der Straße.
Wie immer werden selbstgemachte Bilder den Pflanzen nicht gerecht, selbst die etwas professioneller gemachten im Internet geben nur einen vagen Eindruck von der Schönheit der Blüten.
Das Große Immergrün hat seidig schimmernde, wunderschön dunkelgrüne Blätter und einen leuchtend blauen Blütenstern.
Bei Wikipedia steht, dass der wissenschaftliche Name "Vinca" vom Lateinischen pervincere - umwinden, kommt, man hätte früher Kränze darauf gewunden um die "Aura" zu stärken.
Aha.
>>
Großes Immergrün bei Wikipedia
Bei >>
diesem Link zu Immergrün steht was anderes. Der Name vinca käme von vincere, besiegen, nämlich Eis und Schnee. Und das Immergrün viel in Burggärten angepflanzt wurde (Gut, die Burgfräuleins wollten damit wohl nicht nur ihre Aura stärken, sondern die Hofpoeten beeindrucken). Weiter unten steht dann auch, dass sie mittelalterlichen Liebestränken zugegeben wurde. Von wegen Aura ...
Außerdem, und so was finde ich sehr bemerkenswert, die Aussage:
"Das BGA hat die Verwendung von Immergrün-Präparaten verboten, da eine Veränderung des Blutbildes nicht ausgeschlossen werden kann."
Wunderbar. Das BGA liest wohl keine Beipackzettel konventioneller pharmazeutischer Produkte, wie? Ich schon. Ich lese seit einiger Zeit Beipackzettel. Man bekommt Ohrensausen davon. Es kann natürlich sein, dass ich die einzige bin, die diese Dinger liest - Ärzte jedenfalls lesen sie nicht.
ElsaLaska - 6. Apr, 20:51
Aber auf einen solchen wie diesen habe ich jetzt ein halbes Jahr lang gewartet. Alle halb Jahre einen wirklich schönen, interessant und mit Verve geschriebenen Artikel - richtig, es konnte nicht um Hartz IV oder Islamismus gehen.
Es geht um Raben.
Dieser Artikel erhält das Prädikat absolut lesenswert. Unterhaltsam, lehrreich, spannend. Alles da.
Ich will einen Raben!>
Raben rodeln, reiten, spionieren ...
ElsaLaska - 6. Apr, 18:35
Eigentlich habe ich mich auf irgendwelche Jesus-Schinken zum Karfreitag gefreut, aber es herrscht Normalbetrieb im deutschen Programm. Arnold rettet die Welt, allerdings wird Gibsons Passion Christi gesendet.
Ich sage DANKESCHÖN! Diesen Film werde ich mir nicht ansehen.
Man hätte ohne weiteres Quo Vadis oder Das Gewand oder In den Schuhen des Fischers oder irgendwas Nettes bringen können.
GERNE auch die Letzte Versuchung Christi. Da haben ja alle protestiert, weil Jesus in einer Todesvision vom Kreuz stieg und von einem bürgerlichen Familienleben mit Maria Magdalena träumte. Das ist natürlich ein wirklich stichhaltiger Grund, gegen einen Film zu protestieren.
Ich weiß ja, dass es zu Gibson noch nicht durchgedrungen ist, dass es im Leben Jesu noch ein Alpha gab, das ziemlich durchschlagend war, man das Omega also nicht für sich selbst setzen und aus diesem ganzen Lebensbogen herausreißen kann. Übrigens kam da nach der Passion auch noch was ganz Wesentliches, was Gibson irgendwie VERGESSEN hat, darzustellen.
Aber gut, was reg ich mich auf. Ich les halt einfach ein Buch, wenn sie mir Ustinov als Nero nicht gönnen wollen heute.
ElsaLaska - 6. Apr, 18:23
Nach altem Brauch gibt es irgendeine Kräuterspeise, wahrscheinlich Omelett mit vielen grünen Zutaten.
In meinem, wie schon erwähnt, recht verwilderten Garten, wachsen wohl die größten Gänseblümchen der Welt. Die sind gigantisch. Vielleicht eine neue Untersorte: Bellis perennis gigantis.
Man kann die übrigens essen, wenn man es übers Herz bringt. Ein Salat aus Gänseblümchenblüten und Gänseblümchengrün ist enorm blutreinigend und gesund.
Ich bringe es aber nicht übers Herz.
Zwar liegen für Sonntag diverse Lammkoteletts im Gefrierschrank, aber Gänseblümchen-Killen und Aufessen, da ist die Hemmschwelle mysteriöserweise höher.
Karfreitag wirds wohl Fisch geben oder wenigstens Spaghetti allo scoglio. Karsamstag wird total gefastet, damit hatte ich neulich große Erfolge zu verzeichnen. Ich hab nämlich am Montag den ganzen Tag nur Obst gegessen und am nächsten Tag folgten mir die Augen sämtlicher Männer in der Öffentlichkeit, also scheint es wirklich einen klaren Teint und eine enorme Ausstrahlung zu machen.
Wenn ich mich mal so vergleiche mit dem, was noch so rumläuft : (Hungerhaken, Arschhose, perfekt geschminkt und frisiert, top-Styling).
Sonntag dann die Lammkoteletts, auch wenn ich dabei das Risiko eingehe, dass ich wegen nachhaltigen Fleisch- und Rotwein-Konsums am darauffolgenden Ostermontag nicht ähnliche Erfolge wie neulich bei der italienischen Männerwelt erzielen werde.
Kinnbärtchen, liebe deutsche Männer, bleibt nach wie vor im Trend. Verleiht auch 40-50 jährigen noch das gewisse Etwas.
Schneidig.
Carabinieri-mäßig.
In den 90ern, das weiß ich noch, waren Gummibärchenkrawatte, gelbes Sakko und lila getönte Porschebrille das absolute must - have.
Ist out.
Seppelt in Cordanzügen rum, seid casual, Hauptsache Frisur und Bärtchen sind im Trend. Ehrlich jetzt.
Stop und Ende des Modetelegramms.
ElsaLaska - 5. Apr, 01:18
was das Schreiben angeht.
Wenn du Zeit hast, dich um dein Liebhaberprojekt - einen Vatikankrimi- zu kümmern, dann kommen gaaaanz viele Auftragsanfragen rein.
Wenn du deine Auftragsarbeiten erledigt hast, dann bist du so fertig, dass du nie mehr eine Zeile schreiben willst.
Wenn du deine Auftragsarbeiten erledigt hast und du bist wieder SO fit, dass du dich um einen Vatikankrimi kümmern könntest, geschehen persönliche Katastrophen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Weltmeister der persönlichen Katastrophen bin?
Wenn du deine persönliche Katastrophen hinter dir gelassen hast, und dich endlich mal wieder um deinen Vatikankrimi kümmern könntest, kommen gaaanz viele Aufträge rein.
Wenn du dann wieder Zeit hast, dich um dein Projekt zu kümmern, kommen gaaaanz viele persönliche Katastrophen oder wahlweise Auftragsanfragen rein.
Wenn du dir Sorgen machst, dass nie mehr Geld rein kommt, weil niemand mehr Aufträge anfrägt, dann kannst du nicht mehr unbeschwert an deinem Vatikankrimi arbeiten.
Wenn du deine ganzen Aufträge erledigt und alle deadlines gemanagt hast, und genüsslich denkst, super, jetzt schaff ich an dem Krimi, dann musst du putzen, weil Besuch kommt.
Wenn du fertig bist, hast du endlich wieder Zeit, dich an den Krimi zu setzen.
Wenn du dich dann an den Krimi setzen kannst, und dich schon fragst, wovon du die nächsten Monate leben sollst, kommen gaaaanz viele Auftragsanfragen rein.
Wenn keine Anfragen reinkommen, ist zwar Zeit, sich um den Krimi zu kümmern, aber irgendjemand hat Geburtstag und du musst zehn Gänge kochen und abspülen.
Wenn du danach Zeit hast, dich wieder dran zu setzen, bist du völlig blockiert, weil keine Auftragsanfragen mehr reinkommen.
Das ist ein circulus vitiosus.
ElsaLaska - 5. Apr, 00:53
dass ich nicht gut genug Italienisch spreche, um ihn zu verstehen.
Da murmelte er heute " sei un tesoro!", als wir Arm in Arm gingen. Und irgendwie, ich denk mir manchmal schon. Naja, bin ich seine späte Liebe?
Es ist aber auch so, dass ich das Gefühl habe niemand aus seiner Familie versteht ihn. Heute meinte ich: Guck diese Landschaft- deine Landschaft, du kennst sie, jeden Tag andere Farben, jeden Tag wechseln die Farben dieser Landschaft. Und so kenne ich ihn. Noch bevor ich ein Wort Italienisch konnte, traf ich ihn bei seinen Reben und er pries die Sonne, die Luft, die leichte Brise, den Anblick des Meeres weiter unten.
Komme ich dann hoch zu ihm, da sitzt seine Frau in einem düsteren Kabuff, die Läden sind zugeklappt, und alles was ich erzählt bekomme sind Stories von Dieben, drogensüchtigen Einbrechern, wer krank wurde, wer gestorben ist. Klaustrophobische Atmosphäre.
Man sehnt sich schon nach was anderem, glaube ich.
Na eigenlich ist Armando schon ein Poet. Wie er die Sonne beschwört, wie er lacht, wenn ich sage: Ach, ich hab dich wieder gesehen, wenn du deine Reben KONTROLLIERST.
Oft umarmen wir uns und er scheut sich dann nicht, mich seitlich an den Rippen zu streicheln, mit seinen über Siebzig, wo ich dann auch nicht mehr sagen will - HEY!
Ich meine, er ist ein alter Mann, krebskrank, ist es so schlimm, ihm hin und wieder die Gelegenheit zu geben, mir seitlich um den Busen zu fuscheln?
Ich frage mich das manchmal schon, aber wenn ich dann wieder erlebe, wie er - so alt und so verliebt, mich anhimmelt, sei un tesoro, nein, dann mag ich nicht politisch korrekt und sexuell korrekt sein. Wobei er gar nicht aufdringlich ist, das will ich hiermit klar und in aller Deutlichkeit sagen.
Aber er ist ein Dichter, ein sehr sinnlicher Mann und ich habe das Gefühl, dass das bei ihm zuhause irgendwie unter den Tisch fällt. Dass er da verkümmert. Sonst würde er nicht so auf mich und ich auf ihn abfahren.
Er ist schon ganz und gar mein italienischer Vater. Ein sehr sinnlicher Mann und ein echter Poet. Ein sehr sinnlicher Mann. Noch jetzt.
Und ich bin froh darum. Denn das ist der Armando, den ich kenne und kennen gelernt hatte.
ElsaLaska - 3. Apr, 00:07
Schon längere Zeit wundere ich mich darüber, wieso mein Bier immer so schnell leer, das Weinglas immer in der Neige steht, ohne dass ich auch nur eine Idee hätte, davon besonders viel getrunken zu haben.
Irgendwo sitzt einer mit einem riesigen Rüssel und säuft meine Getränke leer, diesen Verdacht habe ich längst.
Hier ist er:
>>
Der Dickmaulrüssler. Ein gefürchteter Schädling.
Von wegen Blätter, Blüten, Knospen!
*guckt skeptisch in ihr Glas*
ElsaLaska - 2. Apr, 21:36
Der Persische Ehrenpreis besitzt ganz winzige, blaue Blüten, die am Grund gelb sind >
hier ein schönes Foto
und erfreut mich zur Zeit mit seinen schönen Sprenkeln in meinem (leicht verwilderten) Garten. Er ist ein Ausreißer, angeblich im 19. Jahrhundert aus dem Karlsruher Botanischen Garten abgehauen, sich weiterverbreitet und jetzt also hier und heute, Frühjahr 2007, auf meinem Grundstück in den Marken anzutreffen.
*über ihrem Pflanzenbestimmungsbuch*
ElsaLaska - 1. Apr, 19:19
und sagt, es ist in Ordnung so. Morgen fährt sie mit ihrer besten Freundin zum Brunch, ich habe gesagt sie solle sich ablenken. Das Leben genießen. Dass sie kein schlechtes Gewissen haben darf. Weil niemand mehr die Treppe herunterpoltert, nach dem Essen herrscht, verlangt zu wissen, wo sie jetzt schon wieder war und wieso sie in der Apotheke seine Medikamente nicht endlich besorgt hat.
Ich komme eh in eine Urne, gib mich einfach dazu.
Mama, bist du wirklich sicher, dass du bei ihm liegen willst?
Wieso, da ist doch der Deckel eh schon drauf, er kann mich nicht mehr "deckeln" - und mach dann mit einer Platte das Grab zu.
Darauf ich: Auf meines Vaters Grab kommt keine Platte. Das wäre das allerletzte. Ich sorge dafür.
Also habe ich mit diesem Steinmetz gesprochen und es gibt jetzt roten Sandstein, wie er für die Gegend typisch ist. Keine Platte, eine unregelmäßige Grabumrandung - und meiner Mutter Asche, wenn es so weit ist, mit dazu.
Vielleicht lasse ich die Urne auch einfach mitgehen und versenke sie unter den Bäumen bei Sharifs Grab, wenn es so weit ist.
Erst aber soll sie hier in Italien für meine Rosen sorgen.
Das Einkaufen und Kochen besorge ich ja. Und dass niemand mehr mit ihr schimpft. Auch wenn sie eine solche Königin ist, der mal einer die Leviten lesen sollte. Mama.
Gute Gene habe sie, unsere eigene Mutter ist über 90 geworden. So beschwört meine Sorge ihre ältere Schwester.
Eine Frau ist sie, die ich überreden musste, die "Große Stille" auf DVD mit anzuschauen.
"Nicht reden mit den Menschen, das ist unnatürlich, das ist ungesund."
"Es tut aber gut, Mama, von Zeit zu Zeit. Es kann sehr wohltuend sein!"
"Nie. Wer nicht redet, ist tot."
Hättest du nicht mit mir geredet, hätte ich nicht Lesen gelernt. Würdest du nicht sprechen mit deinen Pflanzen, sie gediehen nicht. Du kannst alles pflanzen, was du möchtest, sie hören auf dich. Und wachsen. Und tragen Frucht.
Diese Frau hat Kaninchen davor bewahrt, dass ihnen die Augen abstarben. Sie hat jeden Tag zehn Kaninchen die Augen mit Kamillentee gewaschen und ihnen zugeredet. Die Augen war weg, ausgetrocknet in leeren, blutunterlaufenen Höhlen. Nach einem Monat konnten ihre Kaninchen wieder sehen. Denen sind die Augen nachgewachsen. Durch Zureden.
Eine solche Frau ist meine Mutter.
ElsaLaska - 30. Mär, 01:17